„Die Schönheit der Berufe zeigen“

30.01.2020

Karl-Josef Laumann sprach über Ärztemangel auf dem Land, Ausbildung und Pflege in Bad Westernkotten 

Die Stärkung des ländlichen Raums liegt ihm am Herzen: Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, brach bei der Mitgliederversammlung des CDU-Stadtverbandes Erwitte zusammen mit dem heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Blöming (Erwitte) eine Lanze für das Leben auf dem Land und eine Politik nach Maß.

Im Gasthof Kemper wandte er sich den Themen Ausbildung, Fachkräftesicherung und medizinische Versorgung auf dem Land zu. Bei einer immer älter werdenden Klientel müsse diese gesichert sein, blickte er auf die Schließung von Hausarztpraxis und Apotheke im Heilbad. „Nutzen Sie Netzwerke, betreiben Sie Akquise. Schaffen Sie ein attraktives Arbeits- und Wohnumfeld für potentielle Bewerber“, die Fördergelder des Landes seien sicher.

Arzt-Lotse Marcel Frischkorn (Prokurist der Wirtschaftsförderung des Kreises Soest) führte dazu an, dass vier von fünf potentiellen Bewerbern den Kreis Soest ins Auge fassten.

Dabei spiele auch der Investitionsbedarf eine große Rolle. „Junge Ärzte wollen gestalten. Wir haben gute Praxen, die sind eine echte Option“. 500 in Rente gehenden Ärzten in NRW stünden 200 Nachfolger gegenüber, führte Laumann weiter aus. 2019 seien 1500 Ärzte aus dem Auslandgekommen. Die Schaffung der Fakultät für Allgemeinmedizin in Bielefeld sei mehr als notwendig. Der NC als Zugangsvoraussetzung müsse abgeschafft werden, mehr Studienplätze geschaffen und die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden. „Die Arbeitswelt soll sich der Familie anpassen und nicht umgekehrt. Nur die Familie bringt Sicherheit in ein Menschenleben“, galt sein Plädoyer der Familie. Auch wünsche er sich eine Ausbildungsgarantie für Pflegekräfte. Immerhin: Die Vergütung im 1. Lehrjahr betrage rund 1000 Euro.

Sorgen mache ihm der Fachkräftemangel im Handwerk und im Gesundheitswesen. Wenn in den nächsten Jahren die Babyboomer der 60er-Jahre in Ruhestand gehen, „haben wir mehr Akademiker als Handwerker“, appellierte er an ein gesellschaftliches Bewusstsein, nicht mehr nur das Abitur als das Maß aller Dinge zu sehen. Schon jetzt müsse man monatelang auf einen Handwerker warten und auch bei Pflegekräften aus Osteuropa werde es mittlerweile eng. „Die duale Ausbildung sichert Erfolg im Beruf und ein gutes Auskommen für ein anständiges Leben“. Er sprach sich für Berufspraktika von Jugendlichen aus, die sinnvoll gestaltet werden sollten. „Wichtig ist, die Schönheit der Berufe zu zeigen“, so der gelernte Maschinenschlosser. Nicht alle Berufe müssten akademisiert werden.

In die Podiumsdiskussion mit eingebunden waren neben dem CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Blöming, auch CDU-Stadtverbandsvorsitzender Dr. Christian Hampel und Erwittes Bürgermeisterkandidat Hendrik Henneböhl. 

Seitens des Publikums kamen Themen wie die Entbürokratisierung in Mittelstandsbetrieben oder auch ganz konkret die existenziell gefährdete Weiterführung eines Pflegebetriebes zur Sprache, die aufgrund der Bestandsbebauung an gesetzlichen Vorgaben wie der Einzelzimmerquote zu scheitern droht. Daran aber ließe sich nicht rütteln, so der Minister. Die Inschutznahme bedürftiger Menschen sei ein echtes Politikum. Da gäbe es nur die Möglichkeit, neu zu investieren. Des Weiteren wünsche er sich wie Daniela Hoffmann eine Therapeutenkammer zur Professionalisierung und somit Qualitätssicherung von Heilmittelerbringern wie Physio- und Ergotherapeuten. „Werdet initiativer, ich mach euch das Gesetz“, motivierte er.

Laumann betonte, dass wir uns dank hoher Steuereinnahmen und einer guten Politik auf einem privilegierten Niveau bewegten. Trotzdem: die Themen der Zeit verlangten nach kreativen  Maßnahmen. Trotz Klimadebatte und entsprechender Maßnahmen müsse das Industrieland Deutschland gewahrt bleiben. „Klimaschutz ist nur in erfolgreichen Volkswirtschaften möglich“, gab er zu bedenken. Er wünsche sich eine Politik des Zuhörens und der tragfähigen Kompromisse.