„Weg zwischen Ertrag und eigenem Gewissen finden“

04.09.2020

Es ist ein Balanceakt, will man als kleiner Bio-Hof mitmischen. Neue und bestehende Verordnungen machen es den Landwirten nicht leicht, sich innerhalb eines großen industrialisierten Netzwerkes zu behaupten. „Da muss jeder das für ihn richtige Maß finden“, ist sich Christof Köster, Betreiber des Biohofes in Hirschberg, sicher und auch, dass man für die Landwirtschaft „schon irgendwie geboren sein muss“, schließlich gilt es, für Hof und die Tiere Tag und Nacht da zu sein. Jetzt machten sich der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Blöming aus Erwitte und die CDU-Ratsfrau Andrea Schulte zusammen ein Bild davon.

44 Kühe Milchkühe sind es, die Christof, Alexander, Antje und Alicia Köster jeden Tag melken und füttern. Das Futter wird auf über 110 Hektar Land  angebaut. Mais, Triticale, Hafer, Kleegras – das Kraftfutter, das als Silage angelegt wird, gelangt so unmittelbar in die Mägen der Kühe. Jetzt im Sommer kommen die Tiere oft in den Stall und abends wieder auf die Weide. „Bis 20 Grad sind in Ordnung. Alles was darüber geht, müssen die Tiere durch Wind und Schatten kompensieren“, weiß Sohn Alexander Köster. 430 Meter über dem Meeresspiegel ist man der Natur schon ein bisschen näher. Wolken, Regen, Sonne ziehen hier intensiver dran vorbei. Sohn Alexander hat, bevor er geprüfter Landwirt wurde, Mechatroniker gelernt – was ihm jetzt mit den vielen technischen Geräten sehr zugute kommt, denn Drescher, Trecker und Lader wollen alle gewartet werden. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft sei schon ein ganz schön großer Brocken. „Entweder schwimmt man mit, oder findet seinen ganz individuellen Weg, den man auch moralisch vertreten kann. Da muss man sich klar positionieren und für sich die Balance zwischen Ertrag und dem eigenen Gewissen finden“, so Köster.

2000 hat der Hof, der ein wenig abseits, sehr idyllisch von Hirschberg liegt, auf Bio umgestellt. „Alles richtig gemacht“, sagt er im Nachhinein, froh, aus den Abhängigkeiten der konventionellen Landwirtschaft raus zu ein. Konventioneller Dünger und Spritzmittel – damit wollte er nichts mehr zu tun haben. Sohn Alexander will bald übernehmen. Er kennt nur das Leben auf dem Hof. Seine Großeltern waren 1961 an die Hofstelle gezogen. Seitdem betreibt Familie Köster hier Milchviehwirtschaft. Die Rohmilch wird in der Molkerei verarbeitet und landet in Baby- oder auch Sportlernahrung oder wird aufgespalten in Einzelprodukte. Auch findet sie sich im Bio-Käse einer Discounter-Kette. Das Biofleisch der Kühe wird zu Burgerfleisch oder Wurst verarbeitet. Der Hof ist der Bioland- Liefergemeinschaft mit etwa 50 Höfen in der weitläufigen Region angeschlossen. Das erleichtert Absatzmöglichkeiten und Vertrieb. Einmal im Jahr wird von Bioland aus kontrolliert. Ein Zuchtbulle, genetisch ohne Hörner ausgestattet, lebt auch am Hof. Und Kuh Jessey, die schon seit Jahren die Besucher des Hirschberger Weihnachtsmarktes in der lebendigen Krippe erfreut. Die kennt auch den CDU-Abgeordneten Jörg Blöming, der den Hirschberger Markt als Unikum lobt und seit einigen Jahren „Dauergast“ ist. „Ob es dieses Jahr was wird?“ Vielleicht ist ja eine abgespeckte Version drin, macht Andrea Schulte Hoffnung.